Verstärktes Schwitzen (Hyperhidrose)

Achselnässe, schweißnasse Hände, klatschnasse Hemden oder die typischen Verfärbungen sämtlicher Textilien unter den Armen, die davon zeugen, dass ein Problem mit verstärktem Schwitzen nicht erst seit gestern besteht - gibt es hier Abhilfe?

Die moderne Medizin bietet heute eine Reihe mehr oder weniger wirksamer Methoden zur Bekämpfung des verstärkten Schwitzens an:

Medizinische Deo-Stifte:

Nicht selten kommt es durch die häufige Benutzung von Deo-Sprays, Rollern oder Stiften zu schuppiger, gereizter Haut im Achselhöhlenbereich. Meist sind es die in den Deos enthaltenen Duft- oder Konservierungsstoffen, auf welche die Haut mit Unverträglichkeit oder sogar eine echte Allergie reagiert! Abhilfe schaffen hier spezielle medizinische Deo-Präparate, welche vom Arzt verordnet werden und die in der Regel Aluminiumchlorid enthalten. Diese gibt es in unterschiedlichen Stärken und sie enthalten weder Duft- noch Konservierungsstoffe; sind also meistens gut hautverträglich.

Natürliche Verfahren:

Salbei-Extrakt wird seit Alters her gegen übermäßiges Schwitzen eingesetzt. Neben seiner beruhigenden Wirkung auf die Psyche werden ihm spezifische Wirkung auf die Schweißdrüsentätigkeit zugeschrieben. Salbei gibt es in Form von Tee, aber auch als Tabletten (Sweatosan® Drgs.), welche regelmäßig eingenommen werden müssen, um zu wirken.

Leitungswasser-Iontophorese:

Hände oder Füße werden in ein mit Leitungswasser gefülltes Bad getaucht und es wird ein leichter Gleichstrom angelegt. Die Schweißdrüsenaktivität nimmt deutlich ab; diese Behandlung muss jedoch sehr häufig wiederholt werden. Im Achselbereich arbeitet man mit angefeuchteten Schwämmchen, die unter die Achseln geklemmt werden und durch die der Gleichstrom fließt! Zeigt sich während der Behandlung in der Praxis, dass ein Patient gut auf diese Art der Antischwitzbehandlung anspricht, kann ein Gerät zur Leitungswasser-Iontophorese unter Umständen für den Hausgebrauch per Rezept verschrieben werden und wird dann auch von der Krankenkasse bezahlt!

Medikamente:

Die Schulmedizin bietet 2 Substanzen zur Behandlung des verstärkten Schwitzens an: Vagantin® (Wirksubstanz Methantheliniumbromid), die in der Peripherie die Aktivität der Schweißdrüsen reduziert und Sormodren® (Wirksubstanz: Bornaprin), welche im Gehirn die zentrale Steuerung des Schwitzens beeinflusst. Die Nebenwirkungen betreffen insbesondere die Schleimhäute des Mund- und Augenbereiches, die sehr trocken sein können. Beide Präparate sind sehr gut wirksam und können durchaus in der Lage sein, einen wegen des unkontrollierbaren Schwitzens völlig verzweifelten Menschen aus seiner ausweglos erscheinenden Situation zu befreien. Vagantin® eignet sich auch für eine vorbeugende Anwendung zur Verhinderung des Schwitzens vor wichtigen Lebenssituationen (z. B. Prüfung, erstes Rendezvous o. ä.)!

Botox:

Zunehmend wird übermäßiges Schwitzen heute durch die Injektion von Botulinumtoxin behandelt! Die Substanz wird mit winzigen Nadeln unter die Haut gespritzt; es eignen sich sowohl die Achseln, als auch Handteller und Fußsohlen für eine Botox-Behandlung. Die Wirkung hält bis zu 6 Monaten an, in denen die behandelte Person an den gespritzten Stellen fast überhaupt nicht mehr schwitzt. Die Kosten betragen bis zu 700€ pro Behandlung je nach Menge der verwendeten Substanz. In besonderen Fällen werden die Kosten von den privaten Krankenkassen übernommen!

Operationen:

Wenn alle anderen Therapien versagen, stehen heute 2 Operationstechniken zur Verfügung: die Absaugung der Schweißdrüsen im Achselbereich in örtlicher Betäubung mit einer stumpfen Kanüle und die Durchtrennung des Sympathicus-Nerven durch einen Chirurgen im Bereich des Brustraumes. Die Operation ist nur in Vollnarkose möglich und führt in der Regel zu einer dauerhaften und wesentlichen Reduktion des Schwitzens insgesamt (also am ganzen Körper), während das Absaugen der Schweißdrüsen natürlich nur das Schwitzen im Achselbereiche stoppt.

Schwitztests:

Ob man unnatürlich stark schwitzt, kann der Arzt mit speziellen Tests überprüfen: der sog. Gravimetrie-Methode oder dem Jod Stärke Test. Bei der Gravimetrie-Methode wird gewogen, wie viel Schweiß Löschpapier auffängt, welches eine definierte Zeit z. B. unter den Achseln oder auf den Händen verbleibt. Beim Jod- Stärke Test werden Achseln, Handflächen oder Fußsohlen mit einem Stärke-Pulver bestreut und mit einer Jod-Lösung die Stärke des Farbumschlages gemessen.

Ob und wann wegen starken Schwitzens ein Arzt aufgesucht wird ist natürlich eine sehr persönliche Entscheidung. Wichtig ist jedoch das Bewusstsein, dass der Arzt auch in ausweglos erscheinenden Situationen wirksame Hilfe gegen übermäßiges Schwitzen anbieten kann!